Honsiks Wort zum Sonntag

Wolfgang Fröhlichs Gang ins Irrenhaus

Nach 18 Jahren Kerker wartet auf den „Leugner“
die Psychiatrie!

Ein Ingenieur in seinen besten Jahren
bestritt dereinst das Dogma „Holocaust“.
Ins Zuchthaus ist er drauf gefahren,
nach Stein, wo er bis jüngst gehaust.

Doch hörte er nicht auf zu protestieren!
Beweisverbot per „Offenkundigkeit“ –
das wollte er nicht akzeptieren
in seines Kerkers Einsamkeit!

„Ach, Wolfgang Fröhlich, schreib doch keine Briefe
an Zeitungen und an die Richterschaft!
Geh nie, es sei denn, daß er riefe,
zum Fürst, weil ihm dies Unmut schafft!

Du darfst doch jede Wahrheit offen sagen,
sagt uns das Wahrheitsministerium,
solang sie wahr, nur darfst nicht wagen,
zu stören das Imperium!“

„Wolferl, tuas nit! Dei Frau, die woart seit viazehn Joar!

Doch Wolfgang hörte nicht, was Engelszungen
von Freunden rieten ihm, jahrein, jahraus.
Hat weiter mit der Macht gerungen
mit Tinte von der Zelle aus.

Fort schmähte er des Westens hehre Werte,
es kam erneut zu schwerem Sündenfall.
Das „Offenkundige“ versehrte
er abermals, zum sechsten Mal!

„Wolferl, gib nach! De sitzen am längeren Ast!“

Auf achtzehn schwoll darauf die Zahl der Jahre, –
und ab sodann als Narr ins Irrenhaus –,
bis sie ihn tragen werden auf der Bahre
verstummt zum Hintertürl raus.

„Hätt’st mich schon längst als Beispiel nehmen sollen!
Ich frage nichts, stell keinen Antrag mehr.
Du bleibst für immer nun verschollen,
Dein Platz an meiner Tafel leer.“

Gefährlich nur, verstörend Fröhlichs Fragen:
Sie lungern weiter still im Raum ringsum.
„Doch seid vernünftig! Laßt Euch sagen:
Stellt keine Fragen dem Imperium!“

Was lehrt uns Fröhlichs schreckliches Erleben?
Was lehrt sein Flug „über das Kuckucksnest“?
„Halt’s Maul und freue Dich des Lebens
und glaub an Obrigkeiten fest!“

P.S.:
„Wolferl, Dei Freind dearf I bleibm, nur helfen dearf I da ned!
I wüßt ah ned wia.“

 

Gerd Honsik

Honsiks Wort zum Sonntag

Fröhlichs Kreuzweg

In diesen Ostertagen gedenke ich des Kreuzweges, den mein Freund Wolfgang Fröhlich zu gehen im Begriffe ist. 13 Jahre Kerker hat er verbüßt, zu 14 Jahren Kerker war er insgesamt verurteilt, zu weiteren vier Jahren Kerker wurde er nun verdammt, mit anschließender Einweisung in ein Irrenhaus. Und ich leugne nicht: Er hat gegen das Gesetz des Westens verstoßen. Er leugnete den Holocaust! Allen Rat seiner Freunde hat er in den Wind geschlagen. Nun ist kein Zweifel mehr: Er wird sein Leben hinter den Mauern des Zuchthauses und der Irrenanstalt beenden müssen. Wir, seine Freunde, dürfen ihm nicht zustimmen, können ihm nicht helfen! Was wir dürfen, ist, ihn bemitleiden. In seinem Andenken zitiere ich nun das Gedicht, das ich nach dem zweiten seiner sechs Prozesse geschrieben habe:

Es war einmal ein Ingenieur

(Achteinhalb Jahre Haft für Dipl.-Ing. Wolfgang Fröhlich für Forschung und Meinung. Gewidmet Frau Mag. Bandion-Ortner und dem Präsidenten des Landesgerichtes für Strafsachen Wien, Dr. Forsthuber.)

Es war einmal ein Ingenieur,
der schien zu querulieren
und stellte Fragen folgenschwer
in zügellosem Schriftverkehr,
die böse Zweifel schüren.

So zog man ihn aus dem Verkehr!
Daß künftig er verzichtet
auf seine Meinung, – bitte sehr –
gibt jetzt der Schuldspruch die Gewähr,
von dem hier nun berichtet.

Strafmildernd wär’ Beweisverzicht:
Politische Prozesse
gefallen nämlich vor Gericht,
wenn man von Politik nicht spricht.
So sieht es auch die Presse.

Die Laien stumm, mit Augen groß,
bestellt, um abzunicken,
besiegelten des Täters Los
und setzten den finalen Stoß
nach Art der Bolschewiken.

Sechs Jahre gaben sie ihm jetzt,
– etwas schon abgesessen –,
und zwei „bedingte“ von zuletzt:
macht achteinhalb! Er hatt’ geschwätzt
und schrieb auch wie besessen.

Da stürzt er, wie vom Blitz gefällt,
unter der Last der Jahre.
Geht so er fort von dieser Welt?
Als stiller Narr? Als sanfter Held?
„Los! Legt ihn auf die Bahre!“

Der Tod? Ein Traum? Ein Schatten grau?
Jetzt lichtet sich das Schweigen:
Er blickt ins Antlitz seiner Frau,
in tränennasse Augen blau,
die über ihm sich zeigen.

Die Gattin wird hinweggezerrt,
da sie durchbrach die Schranken!
Achtung, sein Sohn! Den Weg versperrt!
Zurück! Und sorgsam abgewehrt
gefährliche Gedanken.

Vielleicht ein kleiner Herzinfarkt?
Die Jahre, die noch bleiben,
kann die Justiz, wenn er erstarkt,
solange er nicht eingesargt,
sich noch zu Buche schreiben.

Der kleine blasse Ingenieur
war schnell hinausgetragen.
Welch ein Triumph! Der schreibt nie mehr!
Vernichtet und geschlagen!
Jedoch, verdammt: Im Raum umher
da stehen so, als ob nichts wär’,
noch immer seine Fragen.

Gerd Honsik
   
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Honsiks Wort zum Sonntag

Ist Fröhlich geisteskrank?

Die politische Psychiatrie des Antifaschismus
als Tor zur Freiheit oder als Abtritt ins Irrenhaus?

Am 26. März findet um 9 Uhr Früh in Krems ein Prozeß statt, in dem Dipl.-Ing. Wolfgang Fröhlich nach zwölfjähriger Haft wegen seiner Meinung für geisteskrank erklärt werden soll.

Lieber Wolfgang!

Mit Deinem bisherigen zwölfjährigen Opfergang für die Meinungsfreiheit, für dessen Glanz es überhaupt keine Rolle spielt, ob Deine Meinung richtig ist oder falsch, hast Du Deinem Lebensweg einen Sinn von historischer Bedeutung verliehen.

  • Je zwei politische Fälle will ich Dir aufzählen, in denen antifaschistische Regime ebenfalls die politische Psychiatrie zur Durchsetzung ihrer Ziele einsetzten:
    In den USA war es der Dichter Ezra Pound, der ob seiner politischen Meinung nach dem Zweiten Weltkrieg in einen Käfig gesperrt, zur Schau gestellt und später in eine Irrenanstalt eingewiesen worden ist.
  • Ebenfalls in den USA ist es der ehemalige Staatsanwalt, studierte Jurist, Historiker und Philosoph Francis Parker Yockey gewesen, – er war vorgesehen als Ankläger für das Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal und aus Abscheu vor jener Anklage zurückgetreten –, der wegen seines Buches „Imperium“ (dt. „Chaos oder Imperium?“) zum Narren erklärt worden ist. Er starb unter mysteriösen Umständen in der Irrenanstalt.

Ganz anders lagen die beiden mir bekannten Fälle in Österreich:

  • Der Sozialdemokrat DDDr. Franz Scheidl, angeklagt wegen eines Buches, in dem er den Holocaust leugnete, wurde vor Jahrzehnten gegen seinen Willen psychiatriert und für partiell unzurechnungsfähig erklärt.
  • Ebenso erging es Ende der 1980er Jahre Ing. Emil Lachout, mit dem mich seit Beginn des gemeinsamen Verfolgungsschicksals eine enge Freundschaft verbindet.

Beiden Angeklagten blieben so die Verurteilung nach dem NSDAP-Verbotsgesetz und damit viele Jahre Kerker erspart.
Den empörten Ing. Emil Lachout mußte ich damals trösten und ihn auf die Vorteile seiner Teilentmündigung hinweisen. Ich sagte damals zu ihm: „Ich wäre froh, zum Narren erklärt zu werden, wenn mir damit der Kerker (und das Irrenhaus) erspart blieben!

Nun mein Rat für Dich, lieber Freund, für das kommende Verfahren vom 26. März 2018:

  • Bleibe ruhig und höflich und vermeide jede Voreingenommenheit gegen den Vorsitzenden. Nicht alle Richter sind aus faulem Holz geschnitzt.
  • Stelle keinesfalls einen Antrag „zum Beweis dafür, daß es damals keine Gaskammern zur Tötung von Menschen“ gab. Formuliere Deinen Antrag so, daß die von Dir geforderte Überprüfung nur zum Beweis des „Fehlens der subjektiven Tatseite“ geführt wird.
  • Versuche statt einer berechtigten Empörung vielmehr eine für Narren untypische Gelassenheit auszustrahlen. Dein Anwalt vermag in einem Prozeß wie diesem beim besten Willen keine Rolle zu spielen.

Da ein Erreichen jener Ziele, die das Strafvollzugsgesetz bei den Strafgefangenen zu erwirken bemüht ist, bei einem zum Narren erklärten Mann ohnedies nicht verwirklicht werden kann, sollten auch jene Verurteilungen, die vor Deiner Erklärung zum Geisteskranken erfolgten, kein Hindernis bedeuten, Dich mit dem 26.3. aus der Haft zu entlassen.

Fliege, mein Freund, flieg „über das Kuckucksnest“!
Deine Frau und Dein Sohn warten seit zwölf Jahren auf Dich!
Und auch ein Freund, der neun Jahre im Kerker und ein Vierteljahrhundert im Exil verbrachte!

Gerd

Honsik Gerd