Honsiks Wort zum Sonntag

Nachruf auf Dr. Herbert Schaller

 

Aus Anlaß der Nachricht vom Tode meines Rechtsanwaltes Dr. Herbert Schaller ist diese Sendung von „Radio Deutsch-Österreich“ seinem Andenken gewidmet.

Mit Beginn des Polenfeldzuges erfüllte Schaller als einer der jüngsten Leutnants der deutschen Wehrmacht seine Pflicht, wobei „Pflichterfüllung“ im Sinne der Bundespräsidenten Waldheim und Kirchschläger verstanden sein will.
In dem sechsjährigen Ringen sah er den Sinn, sein Vaterland gegen die Bedrohung durch die kommunistischen und kapitalistischen Feindstaaten zu verteidigen.
Und er erfüllte diese Pflicht, solange es ihm möglich war, jedenfalls aber bis zum 5. Mai 1945, als er in Bad Ischl aus dem Lazarettzug gehoben wurde, um seine jugendliche Braut, die er zuvor noch nie geküßt und der er sich brieflich verlobt hatte, zu heiraten.

In seinem Militärakt steht zu lesen:
„Leutnant Schaller ist einer jener Truppenführer, die es verstehen, ihre Männer im Sturmangriff mit nach vorne zu reißen.“
Dr. Schaller verteidigte in den Sechzigerjahren erfolgreich die Südtirolkämpfer und erwirkte zusammen mit zahlreichen anderen Mitstreitern – wie Rechtsanwalt Dr. Michael Stern – zwei aufsehenerregende Freisprüche.

Später verteidigte er neben mir selbst weitere angebliche „Geschichtsrevisionisten“ wie etwa den Sozialdemokraten DDDr. Franz Scheidl, Pedro Varela, Ernst Zündel und Horst Mahler.
Dies führte dazu, daß er in der Lügenpresse als „Nazianwalt“ geschmäht wurde. Schließlich beantragte der Justizsprecher der SPÖ, ein gewisser Abgeordneter Jarolim, ein gegen Schaller gerichtetes Anlaßgesetz, das Strafverteidigern über siebzig verbietet, neue Fälle zu übernehmen.
Mich selbst vertrat er noch im neunzigsten Lebensjahr vor dem Schwurgericht, wobei er von dem unredlichen Richter Andreas Böhm wegen seiner kriegsbedingten Schwerhörigkeit laufend verhöhnt und verspottet wurde.

Sein bleibendes juristisches Verdienst ist es, das Prinzip der sogenannten „Offenkundigkeit“, mittels dessen bei politischen Prozessen dem Angeklagten die Beweisführung verweigert wird, als eine politische Lüge des OGH (also des Obersten Gerichtshofes) wider den Gesetzgeber und die Rechtsordnung entlarvt zu haben.
Denn es gibt kein derartiges Gesetz, das ein Gericht davon entbindet, alle entlastenden Beweise zu prüfen, oder dem Angeklagten zu verbieten, das Entlastende vorzubringen. Im Buch „Sein letzter Fall“ hat Dr. Schaller diesen Tadel an der gegenwärtigen Gerichtspraxis gleichsam als sein Vermächtnis den Anhängern des Rechtsstaates hinterlassen.

Zum Gedenken an Dr. Schaller trage ich nun die Ballade, die seine Hochzeit in den letzten Sunden des Krieges schildert, vor. Eine Ballade, die von ihm selbst seinerzeit zur Veröffentlichung freigegeben worden war. …

Adieu, mein alter Wehrmachtsoffizier!

 

Gerd Honsik

 

Zur Ballade „Hochzeit in Ischl“