Honsiks Wort zum Sonntag

Guten Tag, Herr Bellen!

 

(Das „Van der“ können Sie sich bei mir, solange unser tatsächlicher Adel seine Titel nicht führen darf, gefälligst abschminken.)

Ich fand es geschmacklos von Ihnen und unpatriotisch, als sie dieser Tage voller Häme Ihr Amt dazu mißbrauchten, die Textstellen eines Liedes zu thematisieren, das angeblich bei Burschenschaften zu singen der Brauch gewesen sein soll. Denn nur zu gut wußten Sie, daß Sie damit jenen Kräften im Ausland Munition lieferten, die unserer Bundesregierung ablehnend gegenüberstehen.
Aber sind Sie wirklich so naiv zu hoffen, daß diese, offenbar von Agenten (Agents Provocateurs) dem betreffenden Bund als Kuckucksei untergeschobene Textstelle am Ende des Tages einer Überprüfung standhalten wird?

Lassen Sie, Herr Bellen, diesbezüglich jede Hoffnung fahren!
Zu wohl weiß alle Welt, daß es im volkstreuen Lager immer wieder Menschen gab, die den Genozid an Juden durch Stickoxid etwa von Diesel-Abgasen (siehe dazu: Simon Wiesenthal, „Recht, nicht Rache“) öffentlich bestritten haben.
Ich selbst gestehe, daß ich einst zu diesen Leuten gehörte.
Würde dies heute ein Mann in meiner Gegenwart tun, was ich einst tat, ich würde ihn sachlich, unter Hinweis auf die gegenwärtige Rechtsprechung, ermahnen, von solchen Äußerungen Abstand zu nehmen. Einfach solche Äußerungen zu unterlassen.

Würde aber an meiner Tafelrunde einer diesen Völkermordvorwurf dadurch bestätigen, daß er diesen Genozid gutheißt, ich fürchte, ich würde mich dazu hinreißen lassen, einen solchen Völkermordgutheißer mit einer Maulschelle vom Stuhl zu fegen.
Jenen Agenten aber, die – ich bin sicher, ohne Ihr Wissen –, ausgesandt worden sind, um unter Burschenschaften „rechte Straftaten“ vorzutäuschen, rate ich, keinen Glauben zu schenken.

Statt unsere Regierung im Ausland anzuschwärzen, empfehle ich Ihnen, sich um eine ganz andere, tatsächlich völkermörderische Textstelle, die gegen unser eigenes Volk gerichtet ist, zu kümmern: Die steht aber nicht in einer hektographierten Liedermappe, unterschoben von irgendeinem Agenten, aus der Betrunkene ihre Lieder grölen.
Vielmehr wird dem Gutheißen von jenem Genozid, den ich meine, dort öffentlich gehuldigt, wo die Schuljugend, wo Beamte, ja selbst Richter, ihr Geschichtswissen schöpfen sollen: Ich rede vom DÖW, vom staatlich gesäugten „Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes“.

Dieser aus Steuergeldern finanzierte und bereits gerichtlich1) einschlägig ausgewiesene Verein bedauert nämlich, daß der sogenannte Morgenthau-Plan nicht zu Ende geführt wurde.2)
Wer immer nun vom Morgenthau-Plan spricht, der spricht von einem Plan, der zwischen 1945 und 1948 zwischen Wien und Hamburg nach US-Außenminister Cordell Hull fünf Millionen Hungertote gefordert hat. Darunter 500.000 Österreicher. Und der spricht von einem Plan, der – folgt man Konrad Adenauer3) – sechs Millionen Vertreibungstote verschuldete.
Und der, wäre derselbe zu Ende gebracht worden, insgesamt 20 Millionen Deutschen das Leben gekostet hätte.

Und womit begründete das DÖW, das regierungsfinanzierte „Dokumentationsarchiv“, seine Völkermordsehnsucht an den Deutschen? Mit Schuld- oder Verbrechensvorwürfen etwa?
Nein! Nur mit der wirtschaftlichen Stärke der entmilitarisierten, NATO-treuen und EU-hörigen Bundesrepublik Deutschland der Gegenwart.
Damit schlagen die Geschichtsfälscher und Völkermordgutheißer des DÖW – bezahlt von der Republik Österreich – ihre eigene, schändliche „Befreiungslüge von 1945“ zu Schanden. Nicht befreit also, sondern vernichtet sollte werden.
Es geht dem DÖW um das Gutheißen des größten nach ethnischen Kriterien geplanten Genozids der Weltgeschichte, der an unserem Volke vollstreckt werden sollte. An jenem Volk, bei dem Ihre Eltern, Herr Präsident, auf der Flucht vor den antifaschistischen Bolschewiken Asyl gefunden hatten.

Herr Bellen, handeln Sie! Jetzt!
Das sind Sie uns schuldig!

Gerd Honsik

Anmerkungen:
1) Siehe: Urteil des Landesgerichtes für Strafsachen Wien aus 1997, letztinstanzliches Urteil des Oberlandesgerichtes Wien aus 1998, in der Sache Neugebauer/DÖW gegen „Aula“ und Doz. Dr. Friedrich Romig. Originaltexte unter: http://www.couleurstudent.at/index.php?id=134
2) Siegfried Beer, Eduard G. Staudinger, in: DÖW, „Jahrbuch 1991“, Wien 1991, S. 136 u. 137: „Angesichts der bis heute nicht endgültig abgewendeten Gefahr eines potentiell wiederaufflackernden deutschen Militarismus sowie der periodisch immer wieder ernsthaft debattierten Vision der ‘nuklearen Teilhabe’ der BRD erscheinen die Morgenthauschen Analysen aus dem Herbst 1944 keineswegs widerlegt. Im Gegenteil. Die wirtschaftlich so erfolgreiche Geschichte der westdeutschen Republik erführe eine völlig andere Einschätzung. … Morgenthaus Analyse und Aktionsansatz waren historisch richtig.“
Bezeichnenderweise unterstützte der ehemalige „wissenschaftliche“ Leiter des DÖW, Dr. Wolfgang Neugebauer, auch kommunistische Agitation an Österreichs Schulen, stellte die Integrität Österreichs in Frage und befürwortete das mörderische Treiben der Tito-Partisanen. Er behauptete, „… daß diese slowenischen Partisanen, wie immer ihre politisch-territorialen Vorstellungen ausgesehen haben mögen, auf der historisch richtigen Seite standen.“ (Quelle: DÖW-Bibliothek Nr. 14877.) Konsequent bewertete er in einer Hauptverhandlung vom 24.7.1990 vor dem Landesgericht für Strafsachen Wien die Inanspruchnahme des Selbstbestimmungsrechtes durch Sudetendeutsche als „Rechtsextremismus“.
3) Konrad Adenauer, „Erinnerungen. 1945-1953“, Deutsche Ver­lags­-­An­stalt, Stutt­gart 1965, 4. Aufl. 1980, S. 186: „7,3 Mil­lionen sind in der Ostzone und in den drei Westzonen angekommen. Sechs Millionen Deut­sche sind vom Erdboden verschwunden. Sie sind verdorben, gestorben.