Honsiks Wort zum Sonntag

Ist Fröhlich geisteskrank?

Die politische Psychiatrie des Antifaschismus
als Tor zur Freiheit oder als Abtritt ins Irrenhaus?

Am 26. März findet um 9 Uhr Früh in Krems ein Prozeß statt, in dem Dipl.-Ing. Wolfgang Fröhlich nach zwölfjähriger Haft wegen seiner Meinung für geisteskrank erklärt werden soll.

Lieber Wolfgang!

Mit Deinem bisherigen zwölfjährigen Opfergang für die Meinungsfreiheit, für dessen Glanz es überhaupt keine Rolle spielt, ob Deine Meinung richtig ist oder falsch, hast Du Deinem Lebensweg einen Sinn von historischer Bedeutung verliehen.

  • Je zwei politische Fälle will ich Dir aufzählen, in denen antifaschistische Regime ebenfalls die politische Psychiatrie zur Durchsetzung ihrer Ziele einsetzten:
    In den USA war es der Dichter Ezra Pound, der ob seiner politischen Meinung nach dem Zweiten Weltkrieg in einen Käfig gesperrt, zur Schau gestellt und später in eine Irrenanstalt eingewiesen worden ist.
  • Ebenfalls in den USA ist es der ehemalige Staatsanwalt, studierte Jurist, Historiker und Philosoph Francis Parker Yockey gewesen, – er war vorgesehen als Ankläger für das Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal und aus Abscheu vor jener Anklage zurückgetreten –, der wegen seines Buches „Imperium“ (dt. „Chaos oder Imperium?“) zum Narren erklärt worden ist. Er starb unter mysteriösen Umständen in der Irrenanstalt.

Ganz anders lagen die beiden mir bekannten Fälle in Österreich:

  • Der Sozialdemokrat DDDr. Franz Scheidl, angeklagt wegen eines Buches, in dem er den Holocaust leugnete, wurde vor Jahrzehnten gegen seinen Willen psychiatriert und für partiell unzurechnungsfähig erklärt.
  • Ebenso erging es Ende der 1980er Jahre Ing. Emil Lachout, mit dem mich seit Beginn des gemeinsamen Verfolgungsschicksals eine enge Freundschaft verbindet.

Beiden Angeklagten blieben so die Verurteilung nach dem NSDAP-Verbotsgesetz und damit viele Jahre Kerker erspart.
Den empörten Ing. Emil Lachout mußte ich damals trösten und ihn auf die Vorteile seiner Teilentmündigung hinweisen. Ich sagte damals zu ihm: „Ich wäre froh, zum Narren erklärt zu werden, wenn mir damit der Kerker (und das Irrenhaus) erspart blieben!

Nun mein Rat für Dich, lieber Freund, für das kommende Verfahren vom 26. März 2018:

  • Bleibe ruhig und höflich und vermeide jede Voreingenommenheit gegen den Vorsitzenden. Nicht alle Richter sind aus faulem Holz geschnitzt.
  • Stelle keinesfalls einen Antrag „zum Beweis dafür, daß es damals keine Gaskammern zur Tötung von Menschen“ gab. Formuliere Deinen Antrag so, daß die von Dir geforderte Überprüfung nur zum Beweis des „Fehlens der subjektiven Tatseite“ geführt wird.
  • Versuche statt einer berechtigten Empörung vielmehr eine für Narren untypische Gelassenheit auszustrahlen. Dein Anwalt vermag in einem Prozeß wie diesem beim besten Willen keine Rolle zu spielen.

Da ein Erreichen jener Ziele, die das Strafvollzugsgesetz bei den Strafgefangenen zu erwirken bemüht ist, bei einem zum Narren erklärten Mann ohnedies nicht verwirklicht werden kann, sollten auch jene Verurteilungen, die vor Deiner Erklärung zum Geisteskranken erfolgten, kein Hindernis bedeuten, Dich mit dem 26.3. aus der Haft zu entlassen.

Fliege, mein Freund, flieg „über das Kuckucksnest“!
Deine Frau und Dein Sohn warten seit zwölf Jahren auf Dich!
Und auch ein Freund, der neun Jahre im Kerker und ein Vierteljahrhundert im Exil verbrachte!

Gerd

Honsik Gerd